PapyrusPapyri

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Papyrus war der in allen Hochkulturen des antiken Mittelmeerraumes (Ägypten, Vorderasien, Griechenland, Italien) gebräuchlichste Beschreibstoff. Die ältesten Papyrustexte stammen aus dem unterägyptischen Abusir (2700 v. Chr.). Andere beschreibbare Stoffe wie etwa Pergament, Holz- oder Wachstafeln waren weniger bedeutend. Papyrus wurde aus dem in Streifen geschnittenen Mark der großteils im Nildelta gedeihenden Papyruspflanze produziert, die rechtwinkelig übereinandergelegt, gepreßt und geglättet wurden. Anschließend klebte man die Blätter zu 4 – 7 m langen Rollen (chartes) zusammen. Laut Plinius (Naturalis Historia) gab es unterschiedliche Papyrus-Qualitäten, etwa die hochqualitative der hieratica, die für religiöse Texte Verwendung fanden oder die emporitica, eine niedrige Qualität, die nur zum Einwickeln von Waren verwendet wurde. In der Forschung lassen sich diese Papyrussorten allerdings nicht nachweisen.

Beschrieben wurden die Papyrusblätter vorzüglich auf der Vorderseite (recto), wo die Streifen waagrecht verlaufen, also parallel zu den Fasern, wobei die Texte in Kolumnen von etwa 7 cm Breite nebeneinandergestellt wurden. Struktur und Tintengebrauch führen dabei zu einer vereinfachten, abgerundeten und flüssigeren Schrift. Aus den Hieroglyphen entwickelte sich die Hieratische und die Demotische Schrift. Die meisten Papyri sind in griechischer Sprache verfaßt. Nach der Eroberung durch Alexander den Großen gehörte Ägypten rund 1000 Jahre dem griechischen Sprachkreis an. Ihrer Erforschung widmet sich die Spezialwissenschaft der Papyrologie.

Antike Papyrustexte haben - mit Ausnahme der karbonisierten Papyri von Herculaneum (Villa dei Papiri) - nur im trockenen Milieu von Mittel- und Oberägypten sowie von Vorderasien (Dura-Europos) die Jahrhunderte überdauert. Bedeutende Fundort sind Oxyrhynchos und el Hibeh. Ausgrabungen der britischen Egypt Exploration Society unter Bernhard P. Grenfell und Arthur S. Hunt (1896 – 1907) förderten aus Ruinen und Abfallhaufen teilweise sehr stark beschädigte Textfragmente zutage, darunter Werke von Homer und Menander, Bibeltexte, Verwaltungsurkunden, Briefe, Testamente, Rechnungen. Grenfell und Hunt veröffentlichten ihre Funde in den Oxyrhynchus Papyri und den Hibeh Papyri, den weltweit größten papyrologischen Editionsreihen, die bis heute nicht abgeschlossen sind. Der Großteil der Payrusfunde wird heute im Ashmolean Museum in Oxford, im British Museum in London und im Ägyptischen Museum in Kairo aufbewahrt.

Die Sondersammlung der Universitätsbibliothek Graz ist seit 1904 im Besitz von 42 Papyri aus Oxyrhynchos und Hibeh - eine Gegengabe für die finanzielle Unterstützung der Ausgrabungen durch die Stadt Graz.