Ms.65

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Die Schreiber des Seckauer Skriptorium im 12.Jahrhundert

 

 

Paläographische Beschreibung

Buchstabenspiegel

Handschrift

 

 

Die ersten 22 Blatt und 186-198 sind Ergänzungen  des XV Jh.

 

 

Bernhardische Lagenformel

  • 185v: xxi q. et vi f. et iii all. = 168+6+3= 177 Bl. Vom romanischen Bestand noch vorhanden: 163 Bl. Es fehlen 14 Bl.

 

Lagensignaturen:

38v (III), 47v(IIII), 55v (?), 63v (VI), 79v (VIII), 95v (X), 103v (XI), 111v (XII), 120r (XIII), 135v (XV),  175v (XX)

Zwischen 72 und 73 zwei Talone

 

 

Hauptschreiber:

 

Elegante, gerade bis leicht geneigte, runde, lockere Schrift, Majuskel aus dem Satzspiegel herausgestellt.

Auf 33rv Kapitelübersicht in kleiner Schrift

 

A: a-Typ, hochgezogen, Schaft leicht nach links geneigt

B: 55r

C: Rücken bisweilen leicht eingedellt, manchmal mit Sehne

D:

  • unzialer Typ, langer Anstrich fast waagrecht 97r
  • D-Typ, dreieckig, wuchtig, mit Spitze 66r 7. Zeile von unten

E: e-Typ, hochgezogen, kleine Schlinge, Fähnchen, Buchstabe leicht rückwärts geneigt

F: mit Fähnchen 68v, 69r

G: Rücken leicht eingedellt,  leichte Rückenlage

H: gleichlange Schäfte, oben schräge Serifen, unten Serifen auf der Grundlinie, Querbalken steht nur links vor

I: Schaft leicht geschwungen, oben geschrägte Serife, unten Cauda in die Unterlänge

L: senkrechter Schaft, oben gegabelt, über der Zeile schwebend, Querbalken schräg zur Grundlinie gezogen

M:

  • AI-Typ 24r, 55r rechte Kolumne, vorletzte Zeile
  • unzialer Typ mit Spitzen  50v linke Kolumne, 55r rechte Kolumne, vorletzte Zeile, 56r rechte K., 61r r. K., 93r linke Kolumne: zu einer Spitze zusammengefasst

N:

  • n-Typ, Schäfte stehen auf waagrechten Serifen
  • unzialer Typ: Schäfte ungleich lang, meist (nicht immer) links kürzer, Serife bis zum rechten Schaft gezogen

O: Schlinge groß, mit Spitze

P: Schaft steht auf Serife, Schlinge Parallelogramm, auch rund

Q:

  • kleine runde Schlinge, über  der Zeile schwebend, Cauda setzt mittig an und ist schräg nach unten bis zur Grundlinie gezogen
  • kleine flammenförmige Schlinge, über  der Zeile schwebend, Cauda setzt mittig an und ist schräg nach unten bis zur Grundlinie gezogen

R: Schaft gerade, steht auf waagrechter Serife, Schlinge klein, Schrägbalken lang ausgezogen

S: ausgewogen, kleine Schlinge große Schlinge, insgesamt wuchtig

T: unzial, hochgezogen

U/V:

  • y-Typ, linker Schaft entweder gerade oder geschwungen (kelchförmig), Cauda kurz 57r zwei Varianten nebeneinander, linke Kolumne
  • v-Typ, linker Schrägbalken weit ausholend

 

 

 

Korrekturen:

 

33v, rechte Spalte, fünf Zeilen auf Rasur; Schrift gleicht der Bernhards

51 r vier Zeilen auf Rasur; Eigenkorrektur

67v eine Korrekturzeile am unteren Rand; Eigenkorrektur

76v  8 Zeilen auf Rasur

77r zwei Zeilen auf Rasur

82v  8 Zeilen auf Rasur

83r zwei Zeilen auf Rasur

84v  drei Zeilen auf Rasur

85r  4 + 9 Zeilen auf Rasur

92v eine Zeile auf Rasur

99r sechs Zeilen auf Rasur

117v  eine Zeile am unteren Rand

175v sechs Zeilen auf Rasur

178v eine Zeile am unteren Rand

179v  fünf Zeilen auf Rasur

184v fünf Zeilen auf Rasur

 

 

 

Resümee:

Der Schreiber der beiden zusammengehörenden Handschriften 65 und 68 zeichnet sich durch eine monumentale, gerade, gerundete, professionelle Schrift aus. Die Zusammengehörigkeit wird auch durch den gleichartigen Buchschmuck betont.

Die Handschriften gleichen in der Anlage des Layouts und der Schrift stark den Handschriften des Schreibers Walter (384a, 397,1.2., 398).

 

Die Unterschiede zwischen dem Schreiber von 65/68 und Walter:

 

Schreiber von 65/68

Walter

A a-Typ, rundlich

A: Sparren-Typ, eckig

D: unzialer Typ mit langen, fast waagrechtem Anstrich

D: Unzialer Typ mit senkrechtem Anstrich

E: nur e-Typ

E: markanter E-Typ; der e-Typ ist gerundet und hat kein Fähnchen

M: AI-Typ rundlich

unzialer Typ mit Spitzen

M: AI-Typ, eckig

unzialer Typ mit Spitzen

N: ungleiche Schäfte

N: gleichlange Schäfte

Q: flämmchenförmige Schleife

Q: ovale oder runde Schlinge

S: breiter, wuchtiger

S: relativ klein und schmal, häufig mit Serifen oben und unten

 

 

 

Generell ist die Schrift in Ms. 65 und 68 runder.

Der Schreiber wurde von Pius Fank mit Bernhard identifiziert, hauptsächlich wegen der Einschübe in Urkundenschrift  (136v, 137r, 137v, 138, 138v). Die meisten Korrekturen dürften von der Hand des Hauptschreibers stammen, nur die Korrekturzeilen auf 33v erinnern stark an Bernhards Hand und heben sich vom übrigen Schriftbild ab. Die Buchstabenformen lassen sich in Bernhards gesicherten Texten nicht nachweisen, mit Ausnahme vielleicht des eleganten großen S. In Ms, 68 finden sich Korrekturvorschreibungen von der kleinen Schrift Bernhard, womit die Hypothese, Bernhard nur als Emendator und nicht als Hauptschreiber zu sehen, gestützt wird.

 

Handschriften der UB-Graz/Manuscripts in the University Library of Graz 
Katalog bearbeitet von Hans Zotter